20 Jahre HUPJEFI-Sozialzentren

Seit letztem Jahr (Jahresbrief 2018) hat sich die politische Lage in Kamerun eher verschlechtert. Den Bürgerkrieg in den zwei nördlich gelegenen, englisch-sprachigen Regionen spüren wir im französischsprachigen Teil indirekt, vor allem durch die wachsende Zahl an Binnenflüchtlingen.

Bomono

Im Sozialzentrum in Bomono, vor der Stadt, an der einzigen Straße, die von Norden in die Metropole Douala hinein führt, kommen nun Mädchen an, die nur Englisch sprechen. Dort lernen sie nun jeweils die Sprache der anderen. Gelebte Integration!

HUPJEFI-Mädchen im Sozialzntrum Bomono
Sozialzentrum in Bomono

Im ländlichen Bomono arbeitet das HUPJEFI-Zentrum vor allem präventiv, um die Landflucht einzudämmen und den Mädchen vor Ort eine Sozialzentrum in Bomono Lebens­perspektive zu geben. Es ist dabei so erfolgreich, dass es eine Auszeichnung erhalten hat und als Vorzeigeprojekt über den Distrikt hinaus bekannt ist. Das Personal ist so engagiert, dass Mädchen von weit her mit dem Motorad-Taxi kommen, um am Programm teilzunehmen.

Nun fängt es zusätzlich Flüchtlingsmädchen auf. Zum Beispiel die 16jährige Fomira, die sich enthusiastisch ins Lernen stürzte. In einem Jahr lernte sie Grundlagen in Französisch, Handarbeiten, Schneidern, Hauswirtschaft und im Umgang mit dem Computer. Am nationalen Tag der Jugend erhielt sie sogar einen Preis, weil sich ihr Verhalten so positiv entwickelt hat.

Bonendale

Nur wenige Kilometer weiter auf dem Weg Richtung Stadt liegt Bonendale. Es ist ein neu entstandenes Viertel mit vielen Kindern und Jugendlichen. Doch es gibt wenig Infrastruktur, keine Aufenthaltsorte für Jugendliche und kaum Schulen.

Dort liegt das Gelände, auf dem früher die Eierfarm AVICOM untergebracht war, inzwischen mitten in der Stadt. HUPJEFI Bonaberi, wenige Kilometer entfernt, und die Berufsfachschule sollen in den nächsten Jahren dahin umsiedeln.

Patience Molle Lobe, die ja Bauingenieurin ist, nimmt den Umbau wieder persönlich in die Hand und war diesen Sommer während ihres Heimaturlaubs vom Zentrum der Fokolare in Rom schon dort.

Neue Aufbruchstimmung

Vor nunmehr 20 Jahren gründete sie das erste HUPJEFI-Zentrum. Was sie damals in vielen Menschen angestoßen hat, war eine konkrete Antwort auf die Frage: Wie kann eine Kultur des Gebens entstehen? In den ersten zehn Jahren reifte dieses Konzept an der Praxis.

In den zweiten zehn Jahren entfaltete sich dieser Reichtum in verschiedene Bereiche hinein. Zwei weitere „Zentren des Zuhörens“ – HUPJEFI-Zentren – entstanden. Mit demselben Grundanliegen öffnete die Berufsfachschule DORIANA ihre Türen.

Wir sind wieder in Aufbruchstimmung. Traditionell starke Familienstrukturen bröckeln. Die Gesellschaft wird mobiler. Die Wahrnehmung ändert sich mit Medienkonsum und Smartphone. Die Jugendlichen heute sind auch in Kamerun anders als die vor 20 Jahren.

Bonaberi

Die Leiterin des HUPJEFI-Zentrums in Bonaberi kocht mit einigen Mädchen
Die scheidende Leiterin von Bonaberi

Gleich vier Mitarbeiter aus Bonaberi scheiden wegen Alter oder aus persönlichen Gründen aus. Bei der Verabschiedung im August hatte die Leiterin Tränen in den Augen: „Als ich in meinem Leben mit vier Kindern alleine da stand und nichts mehr zu lachen hatte, hat Gott mir Patience Mollè Lobè über den Weg geschickt, die mich wie eine Mutter unterstützte… als sie mir 2011 vorschlug, bei HUPJEFI zu arbeiten, war meine Freude übergroß: Jetzt konnte ich diesen Mädchen … das Lachen zurück geben, das auch sie verloren hatten.“

Neue Fragen

Alles ist im Fluss. Das ist gut so. Wir versuchen, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Denn das soziale Umfeld, aber auch der Bedarf verändert sich. Auch in den Projekten scheint es einen Lebenszyklus zu geben.

Was brauchen die Mädchen heute, um sich selbst zu entdecken und in Würde ihren Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten?
Wo können wir in dieser Situation Wunden heilen?

10 Jahre Stiftung

Aufbruchstimmung auch in Deutschland! Die bisherigen Stiftungsräte reichen nun die Verantwortung weiter. Jeder von ihnen hat sich – über seine Pflichten hinaus – nach seinen Kräften und Talenten eingesetzt. Neue Gesichter werden nun zur Kultur des Gebens beitragen.

Diese Kultur des Gebens seid auch Ihr. Ihr seid dem Geist gefolgt, der zum Teilen inspiriert. Danke von Herzen für Euer Mitarbeiten, Einladen, Beten und Fragen. Beim Rückblick staune ich: In den letzten sechs Jahren habt Ihr durchschnittlich pro Jahr etwa 91.000€ zusammengebracht. Fast alles ging in die Projekte.

Vergelt‘s Gott! für Eure kleinen und großen Beiträge, denn die Stiftung kann nicht auf eigene Einnahmen zurückgreifen.

Verleihung des Cusanus-Preises

Überraschend, aber dazu passend, kam für mich der „Cusanus-Preis für besonderes gesellschaftliches Engagement“. Das Cusanus-Werk fördert damit herausragende Projekte ehemaliger Stipendiaten in der Begabtenförderung. Der Preis ist mit 5000€ für HUPJEFI dotiert und wird am 22. November in Frankfurt verliehen.

„Ihr langjähriges Engagement für Mädchen und junge Frauen in Kamerun hat die Jury auf ganzer Linie überzeugt…“ heißt es in dem Brief, der die Auszeichnung bekannt gibt. Das ist Bestätigung und Ermutigung für die Zukunft. Möge sich unter uns allen die Kultur des Gebens verbreiten und Herzensfreude schenken, als Baustein für eine geeintere Welt!

Mit ganz herzlichen und dankbaren Grüßen, auch von Patience Mollè Lobè,
Dr. Reginamaria Eder

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